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Wolfgang Hubach | Helga Köbler Stählin | Elisabeth Jucker | Alex Rajcsányi | Margit Raven | Chris von Burkersroda | Ludwig Mahner | Wer sind wir?

Wolfgang Hubach

 

geboren in Ludwigshafen, lebt in Haßloch, Pfalz. Promovierte zum Dr. phil. Er veröffentlicht historisch geprägte Texte, Belletristik und Poesie, zum Beispiel «Im Hinterteil des Schwanen», «Mausfalléri» sowie Kurzgeschichten und Reiseberichte. Herausgeber der «Haßlocher Heimatblätter».

 

 

Textproben

 

Bärtelzwerch, Gastgeber

 

Auf einmal erschien ein Herr, unangemeldet, sehr distinguiert, das Band der Ehrenlegion am Revers. Bärtelzwerch war irritiert, aber da einige der Anwesenden auf ihn zueilten, – darunter ein Vertreter des Ministeriums –, ihn mit Namen begrüßten, – der Titel war leider nicht zu verstehen –, musste er ihn hereinbitten. Genauer fragen wollte er nicht, aber er schaltete schnell und verkündete:

"Monsieur Bouquet, Bourgeois de la France!"

Der späte Gast war der so schmerzlich vermisste député, Europaparlamentarier und Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs.

 

 

Bärtelzwerch, Totkrank

 

Bärtelzwerch nahm die Gaben mit sterbendem Blick entgegen. Da seine treusorgende Gattin den Besuch gleich wieder aus dem Zimmer hinauskomplimentierte, konnte er nicht einmal seinen Dank richtig hervorhauchen.

Doch gleich wurde er wieder munter; denn wenn auch die Geschenke den unkultivierten Geschmack seiner Untergebenen repräsentierten, war es ein befriedigendes Gefühl, Anteilnahme erweckt zu haben.

Er griff nach der Illustrierten und es starb wirklich etwas in ihm: In dicken Balken stand auf der Titelseite "ZIEGENPETER MACHT IMPOTENT!"

Da steckte der Kutscher noch einmal den Kopf durch die Tür und rief ihm fröhlich zu:

"He, Chef, falls Sie sterben, melden Sie das vorher an. Wir müssen nämlich rechtzeitig einen Antrag stellen, sonst darf niemand mit Ihrer Leich!"

 

 

Bärtelzwerch, Textexperte

 

"Im Übrigen ist sich meine Mandantin sicher, dass der von ihr getrennt lebende Ehemann überhaupt nicht weiß, worüber er richtet. Es handelt sich um ein Exzerpt aus Manns Unrat, Ihnen vielleicht bekannt als der Blaue Engel. So viel für heute, Herr Kollege. Schönes Wochenende."

Rechtsexperte und Textexperte schauten sich fragend an:

"Wer, zum Teufel, ist der Blaue Engel?"

"Und wer ist Manns?"

 

 

Bärtelzwerch, Alptraum

 

Bärtelzwerch hatte in München zu tun, und da es ein herrlicher Sommertag war, besuchte er den Englischen Garten. Instinktiv hielt er sich links, schlenderte wie unabsichtlich am Schwabinger Bach entlang und konnte so nicht umhin, den Anblick der dort in Hülle und Fülle herumliegenden Hüllenlosen ertragen zu müssen. Am liebsten hätte er die Hand vor die Augen geschlagen, aber das wäre gefährlich gewesen, musste er doch auf den Weg achten.

 

So blieb ihm kein Anblick erspart, nicht der ältlicher, angeschrumpelter Männlein, die wie die Paviane auf den Steinen am Bachufer hockten, nicht der vielgefältelter Einfältiger, die da glaubten, ihr Körper sei eine Zierde noch, auch nicht der vielfältiger Farbnuancen mehr oder weniger sonnenbrandiger Hinterteile mehrererlei Geschlechts.

Bärtelzwerch schüttelte sich vor Abscheu und machte, dass er langsam weiter kam, denn letztendlich würde er auf dem Rückweg diesen Neandertalismus noch einmal ertragen müssen.

Und was zu viel ist, ist zu viel!

 

 

Publikationen

 

Bärtelzwerch Satiren

Shaker Media Verlag, 2014

 

Chronik über Haßloch und Umgegend

Transkribiert und kommentiert von W. H., erschienen 2013

 

Zweiäuglein

Die Geschichte einer wunderbaren Reise in ein wunderbares Land NAMIBIA, erschienen 2013

 

Bärtelzwerch Satiren

erschienen 2012

 

Diverse andere Publika-tionen und Beiträge in Anthologien
 
Bezugsquelle: beim Autor