ludwig

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Ludwig Mahner

 

geboren 1944 in Penzig, Kreis Görlitz, lebt in Viernheim. Vor dem Ruhestand Jurist bzw. Lehrer. Promotion zum Dr. päd. Ausstellungen im Bereich Malerei und Grafik. Literarische Veröffentlichungen in Anthologien.

 

 

Textproben

 

Tausche Muttertagsgedicht gegen Nachruf

 

Ich wehre mich dagegen, alles nur unter materiellen Gesichtspunkten zu sehen. Es gibt auch geistige Werte, die man weitervermitteln kann. Ein Gedicht stellt einen solchen geistigen Wert dar, zumal ein Muttertagsgedicht. Die meisten dieser Gedichte sind furchtbar kitschig. Deshalb habe ich selbst eines geschrieben. Inzwischen brauche ich es nicht mehr. Denn zum einen kann ich es schon auswendig, zum anderen ist meine Mutter inzwischen gestorben. Aber mein einziger Onkel ist schon so alt, und ich bin nun mal eher auf Lyrik als auf Prosa festgelegt. Ich suche daher eine Grabrede auf eine etwa 85-jährige männliche Person. Die Rede darf schon gehalten sein. Die Namen werden selbstverständlich ausgetauscht. Angesprochen sind in erster Linie Personen, die noch bei ihrer Mutter wohnen und bereits Familienmitglieder männlichen Geschlechts durch Todesfall verloren haben. Angebote unter Chiffre-Nr. 20043. Diskretion wird zugesichert.

"Und dann das", Überwald Verlag, 2007

 

Dreierpack

 

Ich brauche eine Trauerkarte. Onkel Ferdinand ist gestorben. Es gibt sie nur im Dreierpack. Ich denke: Was soll ich nur mit drei Trauerkarten? Das sind zwei zu viel. Oder vielleicht doch… Man könnte sie zurücklegen. Nicht für sich selbst… Wer schickt sich schon selber eine Trauerkarte? Man bleibt von vornherein aus dem Spiel. Aber Tante Irma ist schon ganz schön gebrechlich und auch die Nachbarin hat man schon lange nicht mehr gesehen. Falls man noch ein bisschen Geduld hätte… Und wenn Tante Irma – ich kann sie sowieso nicht leiden – eine Zeit lang ihre Herztabletten nicht regelmäßig einnehmen würde… Gott ja, den Obstbaum soll ich ja auch noch spritzen, fällt mir da ein, ich muss mich beeilen, damit die Gartenabteilung nicht zumacht. Den Giftschrank schließen sie immer als Erstes ab. Ich nehme den Dreierpack. Übrigens: Das Gift habe ich auch noch bekommen.

"Und dann das", Überwald Verlag, 2007

 

 

Das Tertium comparationis einer Todesanzeige und eines Laubfrosches oder: Was haben eine Todesanzeige und ein Laubfrosch gemeinsam?

 

Sie kommen ja doch nicht darauf, obwohl es ganz einfach ist. Der Laubfrosch zeigt an, wann gutes Wetter ist – wenn er nämlich die Leiter hinaufklettert. Die Todesanzeige gilt als Index dafür, dass sich eine Lokalzeitung im Erfolg sonnen kann. Anders ausgedrückt: Die Leute betrachten das Blatt als das ihrige, wenn sie es für würdig erachten, in ihm das Ableben ihrer Lieben zu vermelden. Zu Ihrer Entschuldigung: Das wissen nur Insider. Vor Kurzem hat mir ein Lokalredakteur hinter vorgehaltener Hand verraten, er setze regelmäßig ein paar fingierte Todesanzeigen in das Blatt, um den Anschein zu erwecken, die Zeitung floriere. Ich schenkte ihm schnell meine Visitenkarte mit der Bitte, diesen Namen nicht zu verwenden. Dann fügte ich hinzu, ich ginge jetzt heim, um meinen Laubfrosch die Leiter hinaufzujagen, damit die Sonne scheine. Der Mann wirkte daraufhin verwirrt, ich glaube, er hielt mich für verrückt. Kein Wunder, dass die Zeitung keiner lesen will.

"Und dann das", Überwald Verlag, 2007

 

Liebesgedicht

 

Dich würd' ich mit Trüffeln

aufwiegen.

Dir würd' ich die Strahlen

der Sonne verbiegen.

Doch hätt' ich dieses dann

geschafft,

herrje, du bis so launenhaft.

Dich zu beschreiben,

hieße Teufelskralle mit Engelwurz

kreuzen.

Pardon, ich muss mir vor

Rührung die Nase schneuzen.

"Liebe – was sonst", Triga Verlag, 1998

 

 

 

Publikationen

• Hoppla, König Kunde!
• Nicht immer todernst
• Ins Deutsche zu treffen ist schwer
• Mir verschlägt`s die Sprache
• Sattelt mir den Pegasus!
• Für ´nen Schreiberling keinen Pfifferling
• Erzähl doch keine Märchen!
• Amor mit Silberblick
• Gleichberechtigung: Wir ziehen am gleichen Strang
Alle Titel bei book on demand, 2013

 

Oldie but (not) Goldie

book on demand, 2012
 

Entgegen dem Uhrzeigersinn

Satiren, 2007

 

Beiträge in den Anthologien:
 

Ein denkwürdiger Tag

Triga Verlag, 2002

 

Mannheim – was sonst

Triga Verlag, 2001

 

Liebe – was sonst

Triga Verlag, 1998

 

Bezugsquelle:
beim Autor