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Wolfgang Hubach | Helga Köbler Stählin | Elisabeth Jucker | Alex Rajcsányi | Margit Raven | Chris von Burkersroda | Ludwig Mahner | Wer sind wir?

Helga Köbler Stählin

 

1949 in Bad-Kreuznach geboren, ausgebildete Journalistin, arbeitet für Zeitungen und Kunstpublikationen. Mehrmals Jurorin für literarische Auszeichnungen. 1. Preisträgerin des Mannheimer Literaturwettbewerbes. Sie schreibt Lyrik und Prosa über Zeitgeschichte und Historie.

 

 

Textproben

 

Die schöne Schrift des Uwe Stallmann

Ausschnitt:

Sie brühte Kaffee auf, richtete Milch, Zucker, ein bisschen Gebäck und zwei Tassen. Es sollte aussehen, als sei es ihre Gewohnheit jedem Besucher einen Kaffee anzubieten. Wenn er annahm gewann sie etwas Zeit oder hatte einen Vorwand das Gespräch in die Länge zu ziehen. Sie schaute auf ihre Armbanduhr. Neun. Es klopfte. Ohne ein Wort zu sagen stand Doris auf und öffnete die Tür. "Stallmann", sagte der mittelgroße Herr mit dem schütteren blonden Haar. Sie schaute ihn staunend an und brachte nichts als ein krächzendes "äh" über ihre Lippen.

"Wolken im Kopf", aktuelle Hör-CD

 

 

Nachtschwärmer

Ausschnitt:

Sie brauchte dringend frische Luft. Rosa schaute auf die Uhr. Es war viertel vor zwölf. Sie fieberte der Mittagspause entgegen. Gerade, als sie ihren Platz verlassen wollte, trat jemand an ihren Schalter. Mit einem Kopf voller Gedanken blickte sie auf. Vor ihr stand der Taxifahrer. Rosas Ohren begannen zu glühen und ihr Mund schien mit einem mal wie ausgetrocknet.

"Ankommen", Wellhöfer Verlag, 2011

 

 

Judith

Ausschnitt:

Einmal wanderten wir durch die Weinberge hinauf zum "Fürstenhäusle", und Judith erzählte von einer Dichterin, die es vor langer Zeit gekauft hatte. Sie nannte sie "Nette", so wie der Mann sie genannt haben soll, den sie einst liebte und der doch eine andere nahm. „Was nutzte ihr das schöne Haus“, fragte sie und sah mich an. Ich zuckte mit den Schultern. Wir hockten auf den ausgetretenen Stufen, die hinunter zur Stadt führten, und genossen schweigend den Blick über den See. Voll besetzte Ausflugsschiffe kamen von der Mainau zurück. Unter uns erhob sich die alte Dagobertsburg, deren Tore nun langsam geschlossen wurden. Die Sicht war gut an diesem späten Nachmittag und wir konnten die Schweizer Berge sehen…

"Und dann das…", Überwald Verlag, 2007

 

 

4. Februar

Ausschnitt:

„Maman, ist der Strauß schön?“, flötete eine Stimme, die nah an meinem Ohr war. Ich sah ein Mädchen, das einen wilden Bund aus Hafer und Klatschmohn in den Händen hielt. Auf dem schwarzen Haar trug es einen Hut aus Stroh, dessen Band so rot wie die Blumen war. Das Kleid war aus weißem Batist und hatte einen kleidsamen Matrosenkragen. „Schau mal, Maman, liegt da jemand im Gras?“, sagte die Kleine, bückte sich nach einem zartgewachsenen Löwenmäulchen und während sie die Worte sprach, schien sie mich schon vergessen zu haben.

"Und dann das…", Überwald Verlag, 2007

 

 

Publikationen

 
Flucht.Punkt.Stadt. Vorwerk 8 Verlag, Berlin
 
Erntezeit – ein Ratgeber für Kreatives Schreiben
Andiamo Verlag, 2014
 
Beiträge in Anthologien

 

RäuberGold

Verlag Vorwerk 8, 2007

 

Ein denkwürdiger Tag

Triga Verlag, 2002

 

Mannheim – was sonst

Triga Verlag, 2001

 

Liebe – was sonst

Triga Verlag, 1998

 

Perforierte Wirklichkeiten

Ulysses-books, 1994

 

Lass dich von meinen Worten tragen

Edition L, 1994

 

Lyrik heute

Edition L, 1993

 

Nacht lichter als der Tag

Edition L, 1992

 

Bezugsquelle:
bei der Autorin